Ein neues Fortbildungsseminar hebt seinen Kopf aus den Erfahrungen der Familienaufstellungen während der letzten drei Jahre. Bei diesen neuen Bildern und Themen stehen nicht so sehr die realen Personen der unmittelbaren Vergangenheit eines Menschen im Vordergrund, sondern etwas Tieferes wurde angerührt und zum Schwingen gebracht. Was C. G. Jung uns schon seit über 60 Jahren in unser therapeutisches Poesiealbum geschrieben hat, dass es nämlich sehr tief hinab reichend Strukturen der Seele gibt, wird heute in den Aufstellungen zunehmend real fassbar.
Jung schreibt: “Eine gewissermaßen oberflächliche Schicht des Unbewussten ist zweifellos persönlich.Wir nennen sie das persönliche Unbewusste. Dieses ruht aber auf einer tieferen Schicht, welche nicht mehr persönlicher Erfahrung und Erwerbung entstammt, sondern angeboren ist. Diese tiefere Schicht ist das sogenannte kollektive Unbewusste. (...) Die Inhalte des persönlichen Unbewussten sind in der Hauptsache die sogenannten gefühlsbetonten Komplexe, welche die persönliche Intimität des seelischen Lebens ausmachen. Die Inhalte des kollektiven Unbewussten dagegen sind die sogenannten Archetypen.
C. G. Jung: Über die Archetypen des kollektiven Unbewussten (1934) in: ders.: Archetypen dtv. 1990, S. 7 (Siehe auch den Kreis auf der rechten Seite!)
Anders gesprochen: die Personen des persönlichen Familiensystems (Partner, Kinder, Geschwister, Eltern, Grosseltern etc.) reichen an manchen Stellen nicht aus, jede Dynamik in der Seele ausreichend zu beleuchten und zu befrieden. Es entsteht fast der Eindruck, als gäbe es ein zweites – um eine Etage tieferes – Familiensystem, das nicht mehr aus persönlichen Familienmitglieder sich zusammen setzt, sondern aus den “Familienmitgliedern der Welt” als solches besteht. Hier fanden sich in den alten Kulturen die Bilder und Handlungen und vor allem die Geschichten der Götter.
Diese “Familie” war und ist universal, ihr überpersönliches (kollektives) Reservoir wird gleichsam im persönlichen Leben mit realen Menschen aufgefüllt – und diese wurden bisher aufgestellt. Doch nicht jedes dieser Areale (dieser Archetypen, dieser “Götter”) wird von äußeren Menschen verkörpert, um Erscheinung zu werden. Manche bleiben gestaltlos, numinos, zeigen sich nie, oder nur an ihren äußeren Symptomen (hätte ich beinahe gesagt).
Jung schreibt dazu: “Wenn zum Beispiel ein alter, hochverdienter Gelehrter noch mit siebzig Jahren seine Familie stehen lässt und eine zwanzigjährige, rothaarige Schauspielerin heiratet, dann –
wissen wir – haben sich die Götter wieder ein Opfer geholt.” (aaO. S. 32 f.)
Die Fragen stellen sich:Wen stellt man da auf? Die Rothaarige oder den Archetypus? Diesen und etlichen Fragen mehr wollen wir in dieser Fortbildungsgruppe Raum geben.
Seminatleitung: Dr. Peter Orban
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